Frauen vernaschen Ulm

Benjamin Hille gelingt es hier, zwischen den einzelnen Personenkonstellationen geradezu elektrisierende Spannungsmomente zu schaffen, die den Zuschauer ungemein fesseln.

Die Bühne wird zuletzt regelrecht umgewandelt, man zieht einfach die Tapetendecke weg.

Sein Titel bezieht sich auf Joseph Beuys’ Konzeptder sozialen Plastik – sehr sarkastisch aller- dings, denn die Form, die das Soziale hieran nimmt, hat kaum etwas Utopisches, und der Konzeptkünstler, der im Stück auftritt, ist eine böse funkelnde Parodie menschenverachten den Größenwahns.

Stefan Wancura spielt ihn, im Soldatenmantel, die Finger voller Ringe, stechen der Blick, ein irres Grinsen.

frauen vernaschen Ulm

Rückwärtig liegtsie über einem Holzgestell – und wird so zur Küchenzeile.Doch der Konzeptkünstler heizt die brenzlige Situation immer mehr an, greift Beuys‘ Idee der „sozialen Plastik“ auf.Und der pubertierende Sohn erhält von der Reinemachfrau Jessica plötzlich ein Frauenkleid.Der gesellschaftliche Verfall erreicht hier ein groteskes und unfassbares Ausma& szlig;. Es kommt zu einer „selbstkannibalistischen Ausbeutung“.

Frauen vernaschen Ulm

Und die Figuren verlieren so endgültig den Boden unter den Füßen.Die seltsame Putzfrau antwortet auf alle Spitzfindigkeiten und Vorwürfe immer wieder nur: „Muss Ihnen nicht peinlich sein, ich putz das einfach alles weg, ich schau da gar nicht länger hin.“ Doch zuletzt schaut sie dann sehr wohl genau hin, denn sie vergiftet die gesamte Familie nebst dem durchgeknallten und grob überschätzten Konzeptkünstler Haulupa mit einer Suppe.„Stück Plastik“ ist ungeheuer komisch, provokant und großartig gespielt.(von Alexander Wlalter) Gestresste Mittelstandsmenschen stehen im Mittelpunkt von Marius von Mayenburgs Stück „Stück Plastik“, wo es nur vordergründig um Schmutz, Abfall und Müll geht, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben.In der Ausstattung von Leonie Mohr und Hannes Hartmann übertragen sich die beengten Wohnverhältnisse auf das Sozialverhalten der Figuren. Das führt zu teilweise heftigen Auseinandersetzungen zwischen dem Ehepaar.

Die Sauberfrau aus Halle hört immer wieder nur zu anstatt zu reden und ist Kummerkasten für die ganze Familie. Außerdem regt sich Ulrike über Geld auf, das einfach nur so herumliegt.Diese Familie braucht eine Putzfrau und findet sie in Jessica.Das „Stück Plastik“, das im Studio Theater unter der Regie von Benjamin Hille gezeigt wird, ist komisch, provokant und großartig gespielt.Die ungesunden Ausmaße übertragen sich blitzschnell auf die menschliche Seele, was in der durchaus subtilen Regie von Benjamin Hille hier oftmals drastisch zum Vorschein kommt.Und so wird von dem Ehepaar Ulrike und Michael, das Lisa Wildmann und Stefan Müller-Doriat facettenreich und emotional mimen, plötzlich eine Putzkraft engagiert.

Add comment

Your e-mail will not be published. required fields are marked *